Land-News

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Montag, 28. September 2015

Mein September



Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen: 
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, 
Den blauen Himmel unverstellt, 
Herbstkräftig die gedämpfte Welt 
In warmem Golde fließen.

von Eduard Mörike









Dienstag, 15. September 2015

"Der tut nix" "Der will nur spielen" und "Das hat er ja noch nie gemacht" - diese Sätze kennen Hunde-  und Nichthundehalter zur Genüge.
Ich möchte noch einen Satz hinzufügen, der in der Hundehalterwelt allerdings meistens auf völliges Unverständnis stößt und der heißt:

"Ich möchte keinen Kontakt."

Dieser Satz bedeutet nicht, dass die Hunde sich an stramm gespannten Leinen, damit man sie im Notfall eilig zur Seite zerren kann (mit den Worten s.o.), doch mal eben Hallo sagen können.
Er bedeutet auch nicht, dass mein Hund bissig ist.
Genausowenig, dass ich ihn nicht "im Griff" habe.
Und ich bin weder menschen - noch hundefeindlich.

Er bedeutet einfach, dass ich kein Beschnuppern möchte (oder gar, dass unserem Hund auf dem Kopf herumgetatscht wird, weil er so niedlich aussieht). Alle sollen aneinander vorbeigehen und dabei möglichst einen höflichen Bogen machen. So gehen Hunde nämlich grundsätzlich aufeinander zu, wenn man sie denn lässt. In Hundeschulen wird ihnen ja antrainiert, (bzw. ihr natürliches Verhalten wird abtrainiert), dass sie in fünfzig Zentimeter Abstand an einem anderen Hund vorbeizugehen haben, ohne dabei auch nur mit dem Ohr zu zucken.
Hunde achten die Individualdistanz anderer Hunde und möchten auch, dass ihre gewahrt wird. Außerdem gehe ich immer zwischen meinem und dem Fremdhund, um meinem Hund Schutz zu geben.

Unser Hund gehört der Rasse Zwerggrizzly an. "Sitz" und "Platz" hat er seit langem nicht mehr gehört. Ich sage ihm nur, dass er bei mir bleiben soll. Und das macht er dann auch. Ob er dabei sitzt oder lieber liegt oder steht, ist  mir Einerlei.
Kommt uns ein fremder Hund entgegen, merke ich innerhalb von Sekunden, ob das ruhig abläuft oder hektisch wird.
Hektik -  das heißt wildes Herumgerenne, anrempeln, umwerfen. Das, was gemeinhin als schönes Spiel bezeichnet wird. Ich empfinde es nicht als besonders nett, wenn ein Hund einfach in einen anderen hineinbrettert. Würde mir ein fremder Mensch zur Begrüßung ungefragt auf Schultern und Rücken schlagen, mich mitziehen, mir den Kopf tätscheln und permanent auf mich einreden, würde ich denken, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat. Bei Hunden finden wir so ein Verhalten eigenartigerweise lustig.

Also - Hektik geht gar nicht und ich sage "Ich möchte keinen Kontakt".

Die Blicke, die mir einige Hundehalter daraufhin zuwerfen reichen von mitleidig, über erstaunt, bis hin zu Kopfschütteln. "Der darf nicht spielen", sagen sie im Vorübergehen zu ihren Hunden, gerade so laut, dass ich es hören kann.
Damit kann ich inzwischen sehr gut leben, weil ich weiß, wie aufgedreht unser Hund früher nach solchen Begegnungen war. Sein Gesichtsausdruck, sein angespannter Körper - alles signalisierte Stress.
Treffen wir auf einen Hund, beide strahlen Ruhe aus und der andere Hundehalter ist einverstanden, gebe ich unseren Hund frei. Die Begrüßung verläuft dann höflich und respektvoll. Manchmal gehen sie dann gleich weiter, manchmal zupfen sie zusammen ein wenig Gras oder schlendern in aller Ruhe gemeinsam über den Weg. Unser Hund wedelt sacht mit der Rute. Körper und Ausdruck sind weich. Dabei fühlen Mensch und Hund sich wohl.
Solltet ihr also einmal einer Frau mit einem kleinen Grizzly begegnen, die sagt, sie wünscht keinen (Hunde)Kontakt, dann wisst ihr ja jetzt, warum.





Sonntag, 13. September 2015

Vor vielen Jahren habe ich mit einem Cassettenrekorder im Wald Vogelstimmen aufgenommen. Die Luft war voll von den unterschiedlichsten Gesängen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich unter den Bäumen saß und diesem Chor zugehört und versucht habe, die einzelnen Arten herauszuhören. Schleichend, aber unaufhaltbar, ist es sehr still geworden in unseren Wäldern. Man hört ein paar Meisen, den einen oder anderen Fink. Mit Glück entdeckt man einen Zaunkönig. Das Krächzen von Eichelhähern ist noch die häufigste Vogelstimme.
Doch nicht nur die Singvögel sind verschwunden. Auch die Insektenwelt ist inzwischen erschreckend verarmt. Beides gehört natürlich unmittelbar zusammen.
Sicher wird der eine oder die andere anmerken, dass es doch noch viel zu viele Fliegen und Mücken und anderes "Kroppzeug" gibt.
Das stimmt zwar, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Fliegen und Mücken finden immer Aas und kleine Gewässer, in denen ihre Larven gedeihen.
Für andere Insekten sieht es dagegen mehr als düster aus.
Früher hörte ich im Sommer überall das Zirpen von Grashüpfern. Ging ich durch eine Wiese hüpften sie vor meinen Füßen auf, Käfer in den verschiedensten Größen, Formen und Farben krabbelten an langen Grashalmen, Schwebfliegen, Bienen, Hummeln sammelten Nektar bei den verschiedensten Wiesenblumen. Schmetterlinge taumelten durch die Luft.
Die Wiese barg hundertausendfaches Leben. Und heute?
Wir leben auf dem Land. Alles um uns herum ist Grün. Aber es ist eine Wüste.
Auf den Weiden wächst nur fettes Kuhgras. Löwenzahn ist die einzige Blume, die für kurze Zeit im Frühjahr Nahrung bietet.
Drei bis vier Grasschnitte im Jahr, die sich mit Gülledüngung abwechseln, unterbrechen den Lebenszyklus der Insekten, von der Larve über die Verpuppung bis zum ausgereiften Insekt. Auf den überdüngten Weiden finden sie keine Nahrung mehr. Weideränder werden gemäht, Wälder aufgeräumt, Hecken vernichtet, weil sie stören.
Unsere Gärten sich "sauber und ordentlich". Das gehört sich schließlich so. Was sagen denn sonst die Nachbarn, wenn wir altes Laub unter den Büschen liegenlassen? Oder nicht sofort jedes verblühte Pflänzchen abschneiden. Dabei dient das Laub Asseln, Tausenfüßern und anderen Bodenorganismen als Nahrung und Unterschlupf. Vögel finden darin auch im Winter noch Nahrung.
Wir pflanzen exotische Blumen, weil sie so toll aussehen. Aber für unsere heimischen Schmetterlinge bieten sie nichts. Die brauchen z.B. Brennnesseln, Doldenblüter, Pflanzen, die - aus Menschensicht- unnütz sind und daher abgemäht werden,  für ihre Raupen.
Selbst in meinem Garten, den ich mit vielen heimischen Arten bepflanzt habe, in dem auch "Unkräuter" ihre Daseinsberechtigung haben, sehe ich jedes Jahr weniger Arten.

Ganz leise sind die Insekten verschwunden. Und das Schlimmste ist, von den Menschen haben es die wenigsten bemerkt. Einige sind sogar froh, dass sich beim sonntäglichen Waldspaziergang
keine kleine grüne Raupe vor ihrem Gesicht abseilt oder in ihrem Kelleraufgang keine Asseln mehr ihr bescheidenes Auskommen suchen.

Mich macht das unsagbar traurig. Unsere Welt ist so arm geworden. Dabei ist es doch die Vielfalt und das Bunte, das das Leben so lebenswert macht.

Wer mag, kann sich einfach mal auf eine Wiese setzen oder am Waldesrand unter einen Baum. Und dann das kleine Fleckchen um sich herum genau betrachten. Ameisen werden zu finden sein. Spinnen vermutlich auch. Falls jemand mehr als zehn unterschiedliche Insektenarten entdeckt, würde ich mich freuen,  wenn er mir schreibt, wo dieser Platz zu finden ist und welche Insekten dort leben.

Und wer einen Garten hat, sollte ein Insektenhotel aufstellen und Fetthenne pflanzen und in einer Ecke ein paar Brennnesseln stehen lassen. Vielleicht findet sich mit der Zeit die eine oder andere Art wieder ein. Und vielleicht kommen dann auch die Singvögel zurück.    .

Dienstag, 1. September 2015

01.09. -  meteorologischer Herbstanfang. Jetzt beginnt meine Zeit.

Ich liebe die feuchte Kühle am Morgen
Nebelfetzen, die über die Landschaft ziehen
Spinnweben, die in Sträuchern und an langen Gräsern hängen
Regen, der die Natur für eine Weile wieder satt grün werden lässt
und nicht zuletzt Temperaturen unter 20 Grad

Ein wenig stiller ist es schon geworden auf dem Hof.
Die Schwalben haben sich, nach der Aufzucht von zweimal vier Jungen, gesammelt und sind bereits fortgezogen. Die Bachstelzen sind ebenfalls auf dem Weg in ihr Winterquartier. Von den Falken lässt sich noch einer gelegentlich sehen. Nur das Hausrotschwänzchen ist noch da. Aber auch das wird bald in den Süden fliegen und auf seinen heiseren Ruf werden wir bis zum nächsten März warten müssen.
Die Spatzen bleiben uns erhalten. Die lärmen und tschilpen und zanken das ganze Jahr über.

In diesem Jahr habe ich erstmals Tomatenpflanzen im Kübel gezogen. Dem Internet sei dank, konnte ich einige alte Sorten kaufen, die man im Handel nirgends findet.  Noch nie habe ich so würzige, fruchtige und aromatische Tomaten gegessen. Das schreit nach einer Wiederholung in größeren Pflanzkübeln.


Die Tomatenernte von heute


In den Wäldern gibt es in diesem Jahr Unmengen von dicken, schwarzen Brombeeren. Ich brauche einfach nur um mich herumzupflücken. Sie wachsen beinahe vor der Haustür.
Bald sind Äpfel und Birnen reif. In diesem Jahr gibt es reichlich. Dafür tragen die Pflaumenbäume wenig. Das bedeutet mehr Apfel - als Pflaumenkuchen.

Hier eines meiner Lieblingsapfelkuchenrezepte:

300 gr Mehl (Weizen oder Dinkel)
50 gr Zucker
1/2 Päckchen Trockenhefe
1 Ei
ca. 100 ml Milch
ca. ca. 50 gr Butter
5 mittelgroße Äpfel (z.B. Boskop oder Elster oder eben aus dem eigenen Garten)
100g Mandelblättchen
20 gr Zucker
etwas zerlassene Butter

Mehl mit Zucker und Hefe vermischen. Ei und weiche Butter hinzufügen. Die Milch erwärmen und alles mit dem Knethaken zu einem glatten Teig verrühren. Nur so viel Flüssigkeit zugeben, dass der Teig weich, aber nicht zu dünn wird. An einem warmen Ort zugedeckt etwa 1 Stunde lang gehen lassen. Danach in eine Springform geben und den Rand ein wenig hochziehen.
In der Zwischenzeit die Äpfel schälen, in ganz dünne Scheiben schneiden und auf den Teig schichten. Ich lege sie einfach locker übereinander in die Form.
Mandelblättchen mit Zucker mischen und auf den Äpfeln verteilen. Anschließend die flüssige Butter
darüber träufeln. Das gibt eine knusprige, nach Krokant duftende Schicht.
Im Backofen bei 160 Grad Heißluft ca. 45 Minuten backen.

Variation:

einen Becher saure Sahne mit etwas Zucker, Vanille und zwei Eiern verquirlen und über die Äpfel gießen. Dann erst den Mandeldeckel darauf verteilen. Backzeit bleibt die gleiche.

Die perfekten Partner zu diesem Kuchen sind warme Vanillesoße oder Sahne.

Viel Spaß beim Nachbacken und Guten Appetit!