Land-News

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Freitag, 23. Oktober 2015

Vieles in meinem Leben auf dem Land wird geprägt von den Abläufen in der Natur. Jede Jahreszeit bedingt andere Aufgaben und Arbeiten.
Die Tiere strukturieren den Tag auf ihre eigene Weise - es gibt Futterzeiten (mehrere über den Tag verteilt, denn jede Tierart hat so ihre eigenen Bedürfnisse), Futtereinkauf-Zeiten (was das Schleppen von 25kg-Futtersäcken beeinhaltet) Stall-raus und Stall-rein-Zeiten, Spaziergehzeiten, Großreinemachzeiten, Fellpflegezeiten, Zeiten zum Misten, ...

Die meisten dieser Tätigkeiten fordern meinen Körper. Für meinen Geist gibt es nicht soviel zu tun.
Die nutze ich als Autorenzeiten.
Während ich so vor mich hinwerkel, entstehen in meinem Kopf neue Geschichten, oft angeregt durch die Tiere, von denen eins immer um mich herum ist. Meine Gedanken nehmen dabei oft seltsame Wege und so entstanden sechs Geschichten, die ich in meinem neuen ebook zusammengefasst habe.



 derzeit erhältlich bei amazon, weitere Anbieter folgen in Kürze



Leseprobe:

Milli und die Herrin


Unter anderen Umständen hätte er ihr gut gefallen, dieser schlanke Mann mit den kurzgeschnittenen, dunklen Haaren.
„Schön, dass du zu uns gefunden hast“, sagte er und seine Stimme klang mitfühlend, ohne anbiedernd zu wirken. Er reichte Francis zur Begrüßung die Hand und drückte sie mit angenehm festem Druck. Francis blieb noch einen Moment unsicher im Raum stehen, während Mark Winter, so hatte er sich vorgestellt, zwei weitere Gäste begrüßte.
Er forderte sie auf, sich zu setzen und Francis ließ sich auf einen der Stühle sinken. Zehn Stück insgesamt, die im Kreis aufgestellt waren. Sie schaute unauffällig in die Runde. Ihr gegenüber saß eine rothaarige Frau mit geröteten Augen. Mit ihren langen,  feingliedrigen Fingern knetete sie einen feinen Schal. Er sah teuer aus und wenn sie so weitermachte, würde er bald völlig ruiniert sein. Neben der Frau saß ein älteres Paar. Der Mann drückte die Hand seiner Frau.
„Das erste Mal ist am schwersten“, sagte er mitfühlend zu der Rotblonden.
Die lächelte gequält.
Zwei Stühle weiter hatte ein Mann Platz genommen, der Francis bekannt vorkam. Das war nicht ungewöhnlich. Sie kannte sehr viele Männer. Dieser hier schaute auf seine Füße und gab nicht zu erkennen, ob sie Recht hatte. Auch das war sie gewohnt.
Winter schaute auf die Uhr.
„Eine kleine Runde heute. Wer möchte anfangen?“
Zaghaft hob die Rotblonde den Finger. „Wenn ich dürfte.“

Francis verzog die Lippen. Die gehörte zur Sorte der Hilflosigkeit und Zerbrechlichkeit ausstrahlenden Frauen. Das war ihre Masche, immer zu bekommen, was sie wollten. Und besonders Männer fühlten sich sofort bemüßigt, den Boden vor ihnen zu fegen.  Francis hasste dieses Kleinmädchengetue. Dennoch ärgerte es sie, dass ihr niemand Trost spendete, obwohl es ihr ebenfalls schlecht ging. Nur eben anders.
„Sagst du uns bitte deinen Namen“, sagte Winter.
„Feodora.“
Du liebe Zeit. Francis schaute auf den Boden, um nicht laut aufzulachen.  Sie bewunderte Winter für seine Fassung. Er verzog keine Miene. Wie hatte sie sich nur dazu überreden lassen, hierher zu kommen? Bislang war sie noch immer alleine mit ihren Problemen fertig geworden. Der Impuls zu gehen, kam eine Sekunde zu spät, denn Feodora begann zu sprechen.
„Es ist nun schon zehn Monate her“, flüsterte sie, wie atemlos. „Aber ich kann es nicht verwinden.“ Das ältere Paar nickte. Feodora lächelte dankbar, die Lider halb gesenkt. Der berühmte Lady-Di-Blick. Sie hätte ihn besser noch einige Male öfter üben sollen, damit er nicht so lächerlich wirkte.
„Sein Name war Winston“, sagte sie und begann dann beim Urknall. Francis stöhnte innerlich. Gleich würden Tränen rollen, begleitet von schmerzerfülltem Schluchzen. Danach würde sie sich mit einem Spitzentaschentuch unter der Nase entlang tupfen und selbstverständlich die ganze Zeit über gut aussehen. Francis wettete, dass Winston ein Mops gewesen war oder ein Perserkater. 

Mittwoch, 14. Oktober 2015

15.10.2015


Neuschnee
Flockenflaum zum ersten Mal zu prägen
mit des Schuhs geheimnisvoller Spur,
einen ersten schmalen Pfad zu schrägen
durch des Schneefelds jungfräuliche Flur
Kindisch ist und köstlich solch Beginnen
wenn der Wald dir um die Stirne rauscht
oder mit bestrahlten Gletscherzinnen
deine Seele leuchtende Grüße tauscht.



Laut der Meteorologen gab es zuletzt am 14.10.1975 den ersten Schnee. Der Wetteraufzeichnung sei Dank.

Klimawandel hin oder her - wie die Mode wiederholt sich auch Wetter immer wieder.  







Dienstag, 13. Oktober 2015

Hühnern wird ja  keine besondere Intelligenz bescheinigt. Aber für ihre Lebensweise sind sie perfekt ausgerüstet. Um das herauszufinden, muss Mensch nur ein wenig von sich selbst zurücktreten und sich überlegen, was ein Huhn denn benötigt.
Ein Huhn wäre zum Beispiel ziemlich dumm dran, wenn es den Satz des Pythagoras kennen würde.Mit diesem Wissen fängt es keinen Wurm.
Dafür wissen sie zum Beispiel genau, von welchen Greifvögeln ihnen Gefahr droht. Das erkennen sie an der Silhouette, am Flugbild und dem Ruf.
Bussarde und Milane, stattliche Vögel, können durchaus enge Kreise über den Hühnerauslauf ziehen. Die Hühner schauen kurz hoch und haken sie als ungefährlich ab.
Der Habicht wird dagegen von den Perlhühnern bereits gemeldet, wenn er noch weit entfernt auf einem Ast lauert. Dann suchen sich alle auf dem schnellsten Weg einen sicheren Ort. Im Stall oder unter dichtem Gestrüpp. Eben das, was am nächsten erreichbar ist.
Mit den Jahren habe ich die Bedeutung einzelner Laute gelernt. Das laute Gegacker nach dem erfolgreichen Legen eines Eis kennen vermutlich viele Leute. Dann gibt es Rufe für Gefahr und einen für eine besondere Leckerei. Der Hahn benutzt viele verschiedene, wenn er eine Henne umgarnt. Das reicht von leisem Gurren bis hin zu imponierendem Krähen.
In meinem Buch "Der gestreifte Spanier" beschreibe ich in der Geschichte "Der etwas andere Tag"den Alltag unserer Hühner aus einer ganz besonderen Perspektive.

http://www.amazon.de/gestreifte-Spanier-Marion-Pletzer-ebook/dp/B004YTT23O/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1444744574&sr=8-2&keywords=marion+pletzer


Hühner leben in einer Rangordnung. Hackordnung wird sie gemeinhin auch genannt. Eine selbsterklärende Bezeichnung. Daher ist schon die Auswahl des nächtlichen Schlafplatzes eine wichtige Angelegenheit, die jeden Abend aufs neue ihre Zeit dauert. Wer möchte schon neben jemandem schlafen, der einen tagsüber wegscheucht oder sogar hackt.
Und es gibt Freundschaften. Allzu menschlich darf man diesen Begriff nicht auslegen. Tiere, die besonders harmonieren, finden zueinander und verbringen viele Stunden des Tages eng miteinander.
Ein Hahn und eine Henne aus meiner Gruppe sind so ein Beispiel. Der Hahn achtet sehr auf seine Henne. Und sobald sie von einem anderen Hahn belästigt wird oder eine Henne sie angeht, eilt er ihr zu Hilfe und geht dazwischen. Selbst wenn sie ein Stück weit entfernt voneinander ihrem Tagwerk nachgehen, haben sie sich im Blick. So eine innige Beziehung erlebe ich allerdings selten und sie berührt mich sehr.



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Wenn wir den Hühnern das Leben gestatten, für das sie geschaffen sind, gibt es sehr vieles zu entdecken. Ich käme jedenfalls nie auf die Idee, Hühner als dumm zu bezeichnen.