Land-News

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Sonntag, 29. November 2015

Heute ist einer dieser Tage, an denen die Dunkelheit in Dämmerung und wieder in Dunkelheit übergeht. Schwedenwetter würde ich das nennen.

Aber auch dem kann man viel Schönes entlocken. Für mich gehört Lesen dazu.
Eine spannende, interessante, unterhaltsame oder gruselige Geschichte, dazu einen Becher Kaffee und - weil heute der 1. Advent ist - ein paar Vanilliekipferl oder Spekulatius.

Besonders gut gefallen hat mir "Die Magie der kleinen Dinge" von Jessie Burton.
Eine Geschichte, die den Leser ins Amsterdam des 17. Jahrhunderts entführt. Die junge Petronella (Nella) wird mit einem erfolgreichen Kaufmann verheiratet und zieht vom Dorf in die Stadt. Dort erfährt sie zunächst nur Ablehnung. Besonders ihre Schwägerin benimmt sich regelrecht feindselig.
Ein Puppenhaus - das Geschenk ihres Mannes - bringt eine unerwartete Wendung und mit Hilfe der "kleinen Dinge" kommt Petronella einem großen Geheimnis auf die Spur.

Und um noch ein wenig Werbung für mich selbst zu machen, hier eine Kurzgeschichte aus meinem Buch  "Der gestreifte Spanier":



      Katzenfutter

„Verdammtes Vieh!“ Mit einem Ruck zog Heinz die schwere Gardine vor das Fenster.
„Was ist?“, rief Lore aus der Küche.
„Eines Tages knall ich sie ab.“
„Aber Heinz, lass doch die Katze.“ Lore kam ins Wohnzimmer und mit ihr der Duft von gebratenem Fleisch.
„Sie tötet meine Vögel, diese Scheißkatze.“
„Das ist Natur. Außerdem fängt sie Mäuse. Sogar Ratten, sagt Frau Schultheiß. Sind dir Ratten im Garten lieber? Die fressen auch Vögel. Junge, die noch im Nest sitzen.“ Lore schüttelte den Kopf. Anfangs hatte sie sich über Heinz‘ neu gewonnenes Interesse gefreut. Ja, hatte ihn geradezu gedrängt, sich ein Hobby zu suchen, nachdem er seinen Beruf nicht mehr ausübte. Den ganzen Tag war er ihr vor den Füßen herumgelaufen. Ein Störenfried in ihrem gewohnten Ablauf von Einkaufen, Kochen und Putzen. Doch genauso akribisch, wie er vorher Einkommensteuererklärungen geprüft hatte, übte er nun die Vogelkunde aus.
Jeden Tag saß er stundenlang am Fenster oder im Garten und beobachtete Amseln, Meisen und Rotkehlchen. Auf seinem Schreibtisch lag ein kleines, schwarzes Buch, in das er jeden Vogel eintrug, der seinen Weg in den Garten fand. Er notierte sogar die Anzahl der Bruten und Jungtiere, die auf seinem Grund und Boden aufgezogen wurden.
Erschien eine neue Art, strahlte sein sonst so missmutiges Gesicht. Und das war mehr, als sie ihm in den letzten Jahren hatte entlocken können. Sie wollte ihm diese Leidenschaft ja gar nicht nehmen, aber es kam ihr so vor, als gehöre sie nach den vielen Ehejahren nur noch zum praktischen Inventar des Haushaltes, so wie der Allzweckreiniger.
Heinz kümmerte sich nur um die Vögel.
Wenn der Herbst nahte, stellte er gefüllte Futterhäuschen auf und hängte Meisenringe an die Zweige der Bäume.
Rund und dick wie Knödel hockten die Vögel auf den Sträuchern, dicht am Haus. Zu voll gefressen zum Singen.
Manche klopften sogar dreist mit dem Schnabel an die Fensterscheibe, wenn der Futtervorrat zur Neige ging oder sie die schmackhaftesten Körner herausgepickt hatten.
Heinz strahlte und freute sich über ihre Zutraulichkeit. Doch in Lore wuchs der Ärger. Schließlich war sie es, die mühselig den angetrockneten, scharfen Kot abkratzen musste.

Eines Morgens entdeckte Lore eine schwarz-weiße Katze, die geduckt durch den Garten schlich. Vermutlich gehörte sie den neuen Eigentümern eines der Nachbarhäuser.
Innerhalb weniger Tage stürzte sie Heinz‘ geordnete Welt ins Chaos.
Sein sorgfältig gepflegtes Vogelparadies entpuppte sich als Schlaraffenland. Die Katze pflückte ihre Opfer von den Ästen. Effizient und energiesparend.

„Hast du darüber nachgedacht, dass deine ewige Fütterei die Vögel erst zu einer leichten Beute macht? Die können doch kaum mehr fliegen“, schimpfte Lore.
„Red nicht so einen Unsinn. Bald kommt der Winter. Sie müssen gut genährt sein, damit sie ihn überstehen. Sehe ich dieses Vieh noch einmal, schieße ich ihm eine Kugel durch den Kopf“, grollte Heinz.
„Warum redest du nicht mit den Nachbarn. Wenn sie der Katze ein Glöckchen umhängen, hören die Vögel sie rechtzeitig und können wegfliegen.“ Heinz würde es fertig bringen und die Katze tatsächlich töten. Außerdem konnte Lore sich eines kleinen, fiesen Gedankens nicht erwehren. Oft wünschte sie, die Katze würde viel mehr dieser feisten Körnerfresser wegschleppen, die ihr die Fensterbänke voll kackten und Heinz volle Aufmerksamkeit genossen.
Manchmal, wenn er es nicht bemerkte, stellte sie der Katze eine Schüssel mit frischer Milch hin, damit sie auf keinen Fall das Jagdrevier wechselte.

Eines Nachmittags traf Lore ihre Nachbarin beim Einkaufen.
„Haben Sie schon gehört, Frau Krieger? Die Katze von Neuberts. Sie wissen doch. Das sind die, die in Kramers Haus gezogen sind.“ Vertraulich beugte Frau Schultheiß sich so weit vor, dass sie fast mit Lore zusammengestoßen wäre, und senkte die Stimme.
„Die Katze wurde vergiftet. Stellen Sie sich vor! Ist das nicht furchtbar? Gestern haben sie sie im Garten gefunden. Schrecklich entstellt, mit Schaum vor dem Maul. Die arme Frau Neubert hat einen Schock.“
„Gott, wie entsetzlich“, erwiderte Lore. Eilig verabschiedete sie sich und fuhr so schnell es ging nach Hause.

Heinz saß auf seinem Stammplatz und beobachtete die übergewichtigen Amseln auf der Fensterbank.
„Die Katze wurde vergiftet. Hat Frau Schultheiß mir gerade erzählt“, sagte sie barsch.
„So? Na, dann kehrt ja endlich Ruhe ein.“ Deutlich sah Lore das zufriedene Lächeln auf seinem Gesicht.

Zähneknirschend fuhr sie fort, den Kot von den Fensterbänken zu schrubben, während Heinz seine gefiederten Freunde betrachtete.
„Es kommen immer weniger Vögel in den Garten. Ich verstehe das nicht. Es ist doch alles wie immer“, bemerkte er eines Abends beim Essen.
Lore zuckte mit den Schultern. „Vielleicht haben sie einen besseren Platz gefunden.“
„Besser als hier?“ Sein Gesicht nahm auf einmal einen so traurigen Ausdruck an, als würde mit den Vögeln auch das letzte Restchen Freude aus seinem Leben verschwinden. Für einen kurzen Moment empfand Lore Mitleid mit ihm.
Heinz seufzte, dann widmete er sich wieder dem knusprig gebratenen Fleisch auf seinem Teller. Seine Lippen glänzten fettig.
„Sag mal, Lore, wie viel von diesem Sonderangebot Wachteln hast du eigentlich noch? Die schmecken richtig lecker.“



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Lust auf noch mehr Tiergeschichten ?



Ich wünsche allen einen schönen, gemütlichen 1. Advent  


Montag, 23. November 2015

Am Wochenende gab es Schnee. Nicht viel, aber so, dass der Boden bedeckt war. Außerdem sind die Temperaturen auf den Gefrierpunkt gefallen.
Dieser deutliche Wintereinbruch scheint der entgültige Startschuss für die Kraniche gewesen zu sein.
Laut NABU sind der klare Himmel und leichte Ostwinde ideale Flugbedingungen. Die Kraniche, die wegen der heftigen Stürme der letzten Woche in den Rastgebieten abgewartet haben, sind nun aufgebrochen.

Hunderte zogen heute in verschieden großen Schwärmen über unser Haus. Da sie ziemlich tief flogen, ließen sich ganz gute Aufnahmen machen. Auch wenn meine Filmtechnik noch ausbaufähig ist.

Jedes Jahr freue ich mich zweimal über die Kraniche. Im Herbst, wenn sie fortfliegen und die Zeit einläuten, in der alles zur Ruhe kommt. Und im Frühjahr, wenn sie zurückkommen und die Natur wieder erwacht.



                                                   







Sonntag, 15. November 2015

Novemberfreuden

Objektiv betrachtet ist heute scheußliches Wetter. Usselig, wie man im Sauerland sagt.
Es stürmt, der Regen fegt waagerecht über das Land. Die meisten würden keinen Fuß, geschweige den gesamten Körper, nach draußen setzen, wenn es nicht unbedingt nötig ist.

Hundebesitzer haben keine Wahl. Sie müssen raus. An Tagen, wie dem heutigen, ernte ich manch mitleidigen Blick aus vorbeifahrenden Autos. Begegnen mir andere Hundebesitzer, die Schultern hochgezogen und das Gesicht unter einer weiten Kapuze verborgen, gibt es kaum mehr als ein Kopfnicken oder knappes "Moin", wo man sonst stehenbleiben und ein Pläuschchen über die Philosophie der Fütterung, den besten Hundetrainer und wirbelsäulenunterstützende Viscoschaumbetten halten würde, während die Hunde sich (hoffentlich) ebenfalls
höflich begrüßen und ihrerseits eine Unterhaltung über das Hundeleben beginnen.
Aber ich oute mich jetzt mal als Liebhaber dieses Wetters. Mit unserem Hund gehe ich über möglichst freie Flächen (im Wald ist mir das Risiko von einem herbfallenden Ast erschlagen zu werden doch zu hoch), auf denen es natürlich noch mehr weht.
Der Wind drückt gegen meinen Rücken und schiebt mich vorwärts.  Andersherum ist es etwas unangenehmer. Da raubt einem eine Böe schon mal den Atem. Also wähle ich Wege, wo der Wind meistens von hinten kommt. Auch unser Hund liebt den rauen Herbst und Winter. Im Sommer ist ihm eigentlich immer zu warm. Und so sind wir beide unterwegs - er in wetterfestes, schützendes Langhaar gepackt, ich in entsprechende Kleidung.
Blätter wirbeln umher, Krähen surfen richtig auf den Luftwirbeln. Die Kronen der Bäume am Waldrand rauschen, ihre Äste biegen sich und reiben quietschend aneinander.
Das Brausen den Windes füllt meinen Kopf. Vergessen sind Alltägliches, Vergangenes und Zukünftiges. Für diese Stunde bin ich ganz im Hier und Jetzt, verbunden mit der Natur und meinem Hund.
Ich kann diesem Wetter mehr als eine positive Seite abgewinnen.


Donnerstag, 12. November 2015

Perlhühner

Bei uns leben neben den normalen Haushühnern auch vier Perlhühner. Zwei wildfarbene, ein lilafarbenes und ein chamoisfarbenes.

Kleine Rassekunde:

Perlhühner kommen ursprünglich aus Afrika. Dort leben sie je nach Art in den offenen Savannen und an Waldrändern, aber auch in dichter Bewaldung. Inzwischen sind Perlhühner in anderen Regionen der Erde anzutreffen. Aus der Haltung beim Menschen ausgebüchst, sind sie wieder verwildert und konnten sich an die neue Umgebung anpassen.
In Europa gibt es sie allerdings nicht freilebend. Unsere klimatischen - und Nahrungsbedingungen sind ungeeignet für sie.
Perlhühner leben in größeren Verbänden. Zur Brutzeit bilden sich Paare, die sich von den Gruppen separieren. Nach der Aufzucht finden sie wieder zusammen.

Bei uns bilden die beiden wildfarbenen und die beiden anderen feste Paare, die schon seit Jahren so zusammen leben. Gebrütet haben sie noch nie. Das ist nicht ungewöhnlich. Zuchttiere verlieren oftmals den natürlichen Bruttrieb. Ihre Eier sind klein und kegelförmig. Die Schale ist etwa doppelt so dick wie die von Hühnereiern. Sie lassen sich nur sehr schwer aufschlagen. Der Dotter ist sehr groß.  
Die Haltung ist unproblematisch. Perlhühner suchen sich ihr Futter weitestgehend selbst und sind robust. Sozusagen winterhart. Mit den Hühnern und Gänsen vertragen sie sich problemlos. Die Perlhähne sind sehr mutig und manchmal sogar frech. Dann gehen ihnen selbst die Gänse aus dem Weg.

Die meiste Zeit des Tages singen die Perlhühner leise mit ganz entzückenden Quietschlauten und Flötentönen. Aber wenn Gefahr droht, geben sie Alarm. Egal, was ich gerade mache, sobald dieser Ton auf dem Hof zu hören ist, lasse ich alles fallen und renne los. Gut, manchmal ist es nur ein fremder Hund, der gerade am Grundstück vorbei läuft. Aber oft genug ist es der Habicht, der Lust auf Hähnchen hat. Dieses Geschrei hat so manchem Huhn schon das Leben gerettet.
Und genau dafür halten wir sie auch. Sie sind die beste Alarmanlage, die man sich vorstellen kann.
Unmittelbare Nachbarn sollte man allerdings nicht haben. Es sei denn, sie sind geräuschunempfindlich oder taub.

Ich mag sie einfach, "die Perlchen".


Ein kleiner Eindruck von Alarm. Sie können noch viel lauter und vorallem länger. 

Donnerstag, 5. November 2015

Die Kühe genießen die letzten Sonnenstrahlen und das letzte frische Grün in diesem Jahr. Wegen des warmen Herbstwetters sind sie in diesem Jahr besonders lange draußen.






Allerdings werden sich die Stalltüren, die in Kürze hinter ihnen geschlossen werden, nie wieder für sie öffnen.
Die Kühe bekommen einen großen, modernen Laufstall mit allem, was sie brauchen. Bis auf Freilauf.
Kein Wiederkäuen auf der Wiese mehr, kein frische Grün zupfen, kein Himmel über ihnen. Das Weidetier Kuh wird zu Stallhaft verdonnert.
Bislang freute ich mich jeden Morgen, wenn sie angetrabt kamen, um an die Stellen mit dem längsten Gras zu gelangen. Sie hüpfen und springen dabei wie Kälber - zumindest die jungen Milchkühe machen das noch. Ab und zu wurde auch mal ein Kälbchen geboren, das ein wenig früher dran war, als gedacht.
Ich werde die rupfenden, kauenden Geräusch vermissen und das leise Muhen und den Anblick zufriedener Kühe.
Und wieder bleibt ein Stück natürlicher Tierhaltung auf der Strecke für Effizienz, Umsatz und Gewinn. Ich wünschte, mehr Menschen wären bereit, ein wenig mehr für Produkte aus artgerechter Tierhaltung auszugeben - sprich für Freilauf und genügend Platz. Und das betrifft nicht nur die Kühe.
Eine Schachtel Zigaretten im Monat weniger, würde schon ausreichen, um Bio-Milch für den Monat zu kaufen. Oder einmal selber gekocht, statt bei McDonalds & Co zu essen oder Fertigpizza zu
kaufen.


Was ist es uns wert?





Sonntag, 1. November 2015

Die Kraniche ziehen wieder über den Hof.
Schon von Weitem höre ich den typischen Gesang, eine Art feines, melodisches Trompeten,
Manchmal fliegen sie so tief, dass man ihnen beinahe ins Auge gucken kann. Leider gibt es hier weder Gewässer noch Feuchtwiesen, die zum Rasten einladen würden.
So muss ich mich damit begnügen, ihrem Ruf zu lauschen und der V-Formation so lange nachzusehen, bis sie mit dem Horizont verschwimmt.



Gute Reise und kommt gesund zurück



Dieses Gedicht von Kurt Demmler habe ich dazu gefunden:


Die Kraniche fliegen im Keil,
so trotzen sie besser den Winden.
So teilen sie besser die Kräfte, weil
Die Stärkeren fliegen im vorderen Teil,
und die Schwachen, die fliegen hinten.

Und kommen die Kraniche an
Am Ziel ihrer Reise, dann haben
Die Stärkeren größere Arbeit getan
Und loben die Schwächeren hinten an,
die doch auch ihr Bestes gaben.

Dann essen die Kraniche Fisch
Soviel, wie die Mägen verlangen.
Die Stärkeren, die haben nicht mehr für den Tisch als
Die Schwachen vom guten, silbernen Fisch
In den Teichen am Ziel sich gefangen.

Laßt uns wie die Kraniche sein,
dass wir unser Möglichstes geben:
Die Starken in Groß und die Schwachen in Klein
Und trinken am Abend den gleich teu’ren Wein
Auf ein noch viel besseres Leben.
Kurt Demmler