Land-News

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Montag, 30. Januar 2017

Ein Märchen


Es war einmal vor langer Zeit. Da herrschte König Sieghard gerecht und weise über ein großes Reich. Die Menschen lebten gut von dem, was die Natur ihnen bot. Voll Stolz betrachteten sie die kräftigen und gesunden Kühe auf den Wiesen, deren Kälber fröhlich umher hüpften. 



Schweine suhlten sich in verschlammten Löchern oder an Bächen. Das Geflügel lief frei über die Grundstücke und schenkte ihnen Eier und im Frühjahr eine ganze Schar flaumiger Küken. So oft es ging hielten die Menschen sich draußen auf und genossen die bunten Blumen - und Kräuterwiesen, auf denen Käfer, Bienen und Hummeln brummten, Schmetterlinge von Blüte zu Blüte taumelten und Grashüpfer ein Konzert gaben. Auch die Wälder entlockten den Menschen „Aaaahs“ und „Oooohs“. Laub - und Nadelbäume standen zusammen und gaben sich gegenseitig Halt. Die riesigen Kronen der Laubbäume spendeten Schatten und Sauerstoff und boten unzähligen Tieren Nahrung und Unterschlupf.
An den Wegrändern und auf den Weiden standen Apfel - und Birnbäume. Kirschen, Pflaumen und Mirabellen. Natürlich gewachsene Brombeer - und Himbeerhecken teilten die Felder, auf denen Gemüse und Getreide so üppig wuchs, dass es eine Freude war.

Weil das Land so wunderschön war, zogen immer mehr Menschen dorthin und viele Kinder wurden geboren. Bald waren es so viele, dass klar war, die vorhandenen Nahrungsmittel würden auf Dauer nicht mehr ausreichen. König Sieghard setzte sich mit Wissenschaftlern und Beratern zusammen.
„Ihr müsst Tiere züchten, die mehr Leistung bringen“, sagten die Wissenschaftler. „Wir haben die Lösung. Nehmt die besten Tiere einer Art und kreuzt sie miteinander.“
Das brachte zwar mehr Erträge, aber noch nicht genug.
„Kreuzt Väter mit Töchtern. Das bringt Hochleistung“, sagten die Wissenschaftler.  
König Sieghard zweifelte. „Aber das ist Inzucht. Was das beim Menschen anrichtet, wissen wir. Deswegen ist es verboten. Beim Tier kann das doch genauso wenig gut sein.“
„Unsinn!“ Da waren die Wissenschaftler sich einig. „Gezielt kann man das machen. Außerdem  leben die Tiere nicht lange genug, als dass sich das negativ auswirken würde.“
Die Bauern waren nicht einverstanden. Sie wussten, dass Inzucht die gesunden Linien schwächen und ihre Tiere krank machen würde, und sie weigerten sich. Da erließ König Sieghard ein Gesetz, dass jeder Bauer eine Steigerung an Milch, Fleisch und Eiern von X Prozent im Jahr anbieten musste, damit die Bevölkerung ernährt werden konnte. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als sich zu fügen. Eine Behörde wurde gegründet, die festlegte und kontrollierte, welche Tiere miteinander verpaart und welche Pflanzen gekreuzt werden mussten. Die neuen Generationen von Tieren gaben mehr Milch, mehr Eier und mehr Fleisch als jemals zuvor. Alle jubelten und aßen so viel Fleisch, Milch und Eier wie niemals zuvor.

Die Berater sagten: „König, wir müssen effektiver sein. Wir müssen zentralisieren und spezialisieren.“ Bis auf wenige Ausnahmen verschwanden nach und nach Geflügel, Kühe und Schweine von den Höfen. Stattdessen lebten nun in großen Ställen, in die kein Sonnenstrahl fiel und qualvolle Enge herrschte, hochgezüchtete Tiere, die aufgrund der spezialisierten Zucht so schwach und anfällig für alle Arten von Krankheiten waren, dass strengste Hygienevorschriften nötig waren.
Kein Muhen mehr, kein Krähen und Schnattern. Es wurde stiller im Reich König Sieghards.
Plötzlich wurde das Geflügel von einem rätselhaften Virus befallen.
„Die Wildvögel sind schuld“, sagten die Wissenschaftler und der König befahl, dass alle Tiere, die noch draußen lebten, sofort und für alle Zeit  in den Stall mussten, um die anfälligen Tieren nicht zu gefährden. Wer dagegen verstieß, wurde schwer bestraft.  
Das Virus verschwand und alle atmeten auf.

„König, wir müssen produktiver sein, damit wir noch mehr verkaufen können. Mit dem Geld könnt Ihr Krankenhäuser bauen und Straßen und Brücken und Häuser“, sagten die Berater. Da alles im Übermaß vorhanden war, sanken die Preise und die Bauern musste immer mehr Tiere halten, um überleben zu können. Mehr Tiere - mehr Futter. So kippten die Bauern alle vorhandene Gülle auf die Weiden. Nun konnten sie viermal im Jahr mähen, statt nur zweimal. Durch die einseitige Düngung verschwanden nach und nach Blumen und Kräuter und mit ihnen Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken, Hummeln und Bienen. Das Obst wurde rar, weil die Bestäuber fehlten. Die Vögel, die auf die Insekten angewiesen waren, starben aus. Aber das fiel den Menschen nicht auf, weil nun Straßen die Landschaft durchschnitten, auf denen sie schnell mit ihren neuen Autos unterwegs waren. Wälder wurden gerodet, um Platz zu schaffen für Wohnraum. Kinder fütterten nun Computertiere auf ihren Handys und erstellten auf dem Computer Bauernhöfe mit lila Kühen und grünen Schweinen. König Sieghard und seine Königin Sigrun standen auf dem Balkon ihres Schlosses und schauten auf die verödete Landschaft ihres Reiches.
„Das ist so traurig. Meinst du, wir haben das Richtige getan?“, fragte  Sigrun.
„Natürlich“, antwortete Sieghard. „Dafür haben unsere Untertanen jetzt so viel Wohlstand.“
Eines Tages kam das Virus zurück..
„Die  Wildvögel sind schuld“,  wiederholten die Wissenschaftler. Aber die Ställe waren gegen jede Verseuchung von außen abgeschirmt worden. Erste Zweifel kamen auf. Hinter vorgehaltener Hand sprach man darüber, dass womöglich das Futter der Auslöser war, weil alle Abfälle darin verarbeitet worden waren. Oder der viele Mist auf den Feldern. Also tötete man wie zuvor die kranken Tiere, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Trotzdem starben die Hühner und dann auch die Gänse, Enten  und Puten. Sie starben so schnell, dass die Wissenschaftler mit der Herstellung neuer wirksamerer Medikamente nicht nachkamen.
Innerhalb kürzester Zeit raffte das Virus das schwache Geflügel dahin, bis es keines mehr gab. Dann mutierte es und befiel nacheinander Schweine und Kühe, bis auch die nicht mehr da waren.

Die Menschen heulten und schrieen nach dem König.
„Was sollen wir essen? Das Getreide reicht nicht für uns alle.“ Das einst so wundervolle Reich König Sieghards versank in Dunkelheit. Kinder hockten vor dem Computer und starrten mit knurrenden Mägen auf die lila Kühe und grünen Schweine. Niemand wusste mehr, wie man sich selbst versorgen konnte. Überall im Reich gab es Kämpfe um die wenige Nahrung.
König Sieghard verbreitete die Nachricht, dass sich jeder, der noch ein Tier im Stall hat, melden sollte und versprach eine hohe Belohnung. Doch niemand erschien. Den Kopf in die Hände vergraben saß er an seinem Schreibtisch und weinte.
„Wenn nicht ein Wunder geschieht, werden wir alle sterben“, sagte er. Sigrun nickte und riet ihm, Kundschafter auszusenden, um das Reich nach überlebenden Nutztieren zu durchsuchen. Das tat er. Und obwohl er inzwischen alt geworden war, führte er die Gruppe an.

Eines Morgens entdeckten sie weit ab versteckt hinter einer Bergkette einen wunderschönen Landstrich. Blumen - und Kräuterwiesen erstreckten sich vor ihnen, auf denen zahlreiche Insekten brummten. Wie verzaubert gingen sie weiter bis zu einem Dorf. Bunte Hühner und prächtige Puten liefen in den Gärten umher, Gänse schnatterten auf den Teichen und  Kühe grasten auf den Weiden. 





Die im Dorf lebenden Menschen erschraken, als sie sahen, wer sie besuchte.
„Keine Angst“, sagte der König. „Sagt, wieso sind eure Tiere so gesund?“
„Weil wir sie achten und so leben lassen, wie es ihrer Art entspricht. Sie laufen an der frischen Luft. Sie fressen das, was ihnen gut tut und nicht das, was man ihnen vorsetzt. Sie paaren sich mit dem, der ihre Nachkommen gesund und stark macht.“
„Wieso habt ihr euch auf meinen Aufruf nicht gemeldet“, fragte der König.
„Weil wir Angst hatten, dass Ihr uns die Tiere wegnehmt und sie dann ebenso krank werden und elendig sterben müssen wie alle anderen.“
König Sieghard versprach, dass genau dies nicht passieren würde. Und so machte er sich mit seinen Kundschaftern, einigen Dorfbewohnern und einem großen Anhänger voller Tiere auf den Rückweg.
Im  Schloss angekommen, entließ er als erstes die Berater und Wissenschaftler. Deren Aufgaben wurden von den Dorfbewohnern übernommen. Die Behörde zur Regulierung und Überwachung der Fortpflanzung der Nutztiere wurde aufgelöst. Alle Ställe wurden umgebaut, so dass jedes Tier seiner Art gerecht leben konnte.
Die Nachkommen der robusten Rassen aus dem Dorf wuchsen heran und vermehrten sich. Eier, Milch und Fleisch gab es nicht mehr im Überfluss, so wie früher. Doch die Menschen hatten verstanden, welch großen Dank sie den Tieren schuldeten und dass sie ohne die Natur nicht überleben können. Von nun an gingen sie achtsam mit dem um, was ihnen geschenkt wurde.

Und wenn sie nicht wieder unvernünftig geworden sind...

Donnerstag, 26. Januar 2017

Meine Ponys genießen zwar Winterpause. Aber ab und an reite ich sie oder mache Bodenarbeit, damit sie nicht einrosten und der Kopf beschäftigt wird. Ein Ausritt im Schnee gehört zu den schönsten Erlebnissen. 
Warme Kleidung ist ein Muss. Dafür habe ich einen dick wattierten Overall, in dem ich ein wenig aussehe wie ein Wombat, und dann steht dem Vergnügen nichts mehr im Weg.
Die Ponys lieben Schnee und Kälte. Die eisklare Luft und der gefrorene Boden wecken möglicherweise Erinnerungen an die isländische Heimat in ihren.

Letzten Sonntag war das perfekte Wetter. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel und der Schnee glitzerte so stark, dass er uns blendete. 
Mit ihren stämmigen Beinen stapften die Stuten durch den Schnee und ihr dampfender Atem wehte mir und meiner Freundin entgegen.
Munter waren die beiden und wollten die Aufwärmphase im Schritt abkürzen. Da die Wege teils vereist waren, mussten wir sie bremsen. Sobald der Boden es zuließ, durften sie laufen. Sofort fielen sie, ganz nach Isländerart, in einen lockeren Tölt und wir schwebten förmlich durch die Winterlandschaft.
Der pudrige Schnee stob unter ihren Hufen auf und rieselte zurück auf den Boden. Tief atmete ich die frische Luft vermischt mit dem warmen Geruch des Pferdes ein. Die Stuten schnaubten entspannt.
Schritt und Tölt wechselten sich ab. Rehe kreuzten unseren Weg. In den Tannen krächzten Eichelhäher. 
Nach einer Stunde kamen wir zufrieden und entspannt wieder auf dem Hof an. 

Nirgendwo sonst bin ich so ruhig und ausgeglichen wie im Umgang mit meinen Pferden.
Beim Reiten lösen sich Nacken – und sonstige Verspannungen in Nichts auf. 

Wenn das Wetter hält, sind wir nächsten Sonntag wieder draußen.



Freitag, 20. Januar 2017

Ich lebe sehr eng mit meinen Tieren. Mich interessieren ihre Verhaltensweisen, ihre Art, zu kommunizieren und Gemeinschaft zu leben. Dadurch beobachte ich sie natürlich viel und genau und erlebe oft Schönes und Überraschendes.

Unser "Dicker" hat langes, dichtes Fell (s. Foto weiter unten). Bei Schnee bilden sich zwischen seinen Zehen und an den Beinen dicke Schneekugeln. Irgendwann stören sie beim Laufen. Dann legt er sich hin und knabbert sie ab. Vor ein paar Tagen legte sich der kleine Hund dazu und half ihm, die Schneekugeln loszuwerden. Er ging sogar zu den Hinterpfoten und zupfte dort weiter, als er vorne fertig war.
Solche Erlebnisse berühren mich. Sie zeigen mir, mit wie viel Empathie und Verständnis die Tiere miteinander umgehen. Und dass sie mich in diese Gemeinschaft miteinbeziehen ist einfach nur beglückend.

Das, was ich mit meinen Tieren erlebe, inspiriert mich zu den unterschiedlichsten Geschichten.

Hier eine Leseprobe aus (m)einem Kurzgeschichtenbüchlein:  

Das Leben ist ein Hundeplatz 


"Ivo!"
"Ivo!"
Mit weit schwingenden Armen stampfte Julia durch den Wald. Der lange Regenmantel flatterte hinter ihr her, als schaffe er es nicht, mit ihr Schritt zu halten.
Verdammt, wo steckte dieser blöde Hund denn bloß? Julia blieb stehen.
„Ivo, komm jetzt sofort hierher.“ Sie lauschte. Kein Bellen, kein Hecheln, kein Rascheln im Unterholz kündigte Ivo an. Julia schaute auf die Uhr. Fünf Minuten würde sie noch suchen. Keine Sekunde länger.
„Nimm einen Hund aus dem Tierheim. Da sitzen so viele und die sind so dankbar“, hatten ihre Freunde gesagt, nachdem der erste Schmerz über den Verlust ihrer geliebten Kitty abgeklungen war und sie sich hatte vorstellen können, einen neuen Hund in ihr Leben zu lassen.
Julia seufzte. Seit Ivo bei ihr lebte, vermisste sie ihr Cocker Mädchen noch mehr.
Aber im Grunde war sie selbst schuld. Sie hatte sich einlullen lassen von der Vorstellung, eine gequälte Kreatur vor einem grausamen Ende zu bewahren. Im Internet gab es Hunderte von ihnen, wenn nicht Tausende. Der schelmische Blick eines braun gefleckten Rumänen hatte ihre Seele berührt und kurzentschlossen entschied sie, ihn aufzunehmen. Einen gequälten Eindruck hatte Ivo allerdings nie gemacht. Fröhlich und recht gut genährt war er einige Wochen zuvor bei ihr eingezogen. Von Dankbarkeit keine Spur. Er war zwar freundlich, brachte Menschen jedoch nicht mehr als höfliches Interesse entgegen. Ansonsten machte Ivo einfach sein eigenes Ding. Was Julia wollte, ignorierte er.
„Ivo!“ Ein letzter hilfloser Versuch. Ein weiterer Blick auf die Uhr.
Jetzt reicht’s, dachte Julia. Dann such dir doch ein Wolfsrudel, dem du sich anschließen kannst.
Mit zügigen Schritten ging sie zurück nach Hause. Als sie um die Hausecke bog, sah sie Ivo vor der Tür sitzen. Zufrieden und mit unschuldigem Blick.
„Gar nicht so blöd“, dachte Julia. Obwohl sie ihn am liebsten ordentlich zusammengestaucht hätte, schloss sie wortlos die Tür auf und ließ ihn ins Haus. So ging es nicht weiter. Schließlich konnte sie keinen Elefantenzaun um ihr Grundstück ziehen, um zu verhindern, dass er sein gewohntes Straßenleben fortsetzte. Sie brauchte dringend Hilfe.

Wenige Tage später fuhr Julia zu einer Schnupperstunde auf einen Hundeplatz.
Die Hundetrainerin, eine kugelähnliche Mittvierzigerin mit roten Strähnen in den ansonsten recht farblosen Haaren, begrüßte Julia.
„Ich bin Heike. Wir duzen uns alle“, sagte sie und schickte Julia auf die Wiese zu den anderen Teilnehmern.
An der Seite einer jungen Frau schwebte ein Afghane, elegant wie ein arabisches Pferd und so vorbildlich „bei Fuß“, dass Julia ganz neidisch wurde. Beide besaßen Modelmaße und waren blond mit welligem Seidenhaar. Ein Stück weiter wartete eine ältere Frau mit ihrem Rauhaardackel. Der riss bei Ivos Anblick sofort wild an der Leine und kläffte.
Die Besitzerin interessierte sich mehr für ihre Fingernägel, als für das Wutbündel zu ihren
Füßen. 
Das Model blieb stehen, schaute in die Runde, als wolle sie sich vergewissern, ob ihr die Bewunderung aller sicher war und kam dann auf Julia zu.
„Hallo, ich bin Tabea“, sagte sie mit schleppender Stimme. „Und das ist Ivy.“
Julia stellte sich ebenfalls vor und sagte, Ivo käme aus Rumänien.
„Oh, ein Osteuropäer.“ Tabea blickte ein wenig abschätzig auf ihn herab. „Da weiß man nie, was man kriegt. Und ob der nicht von einem dubiosen Hundehändler stammt. Ivy kommt aus einer seriösen Zucht.“ Mit langen Fingern strich sie Ivy eine blonde Strähne über den Augen weg.
Julia bekam einen roten Kopf. Hatte sie womöglich gar kein gutes Werk getan, sondern war der Mitleidsmasche eines zweifelhaften Händlerringes aufgesessen?
„Er kommt aber vom Tierschutz“, stammelte sie.
Tabea winkte ab.
„Die verdienen doch auch nur.  Ivy hat übrigens schon mehrere V‘s. Demnächst soll sie Welpen bekommen.“
„V’s?“, fragte Julia irritiert.
„Vorzüglich. Der Richter war total begeistert von ihrem Aussehen und ihrer Ausstrahlung.“ Sie zog eine Bürste hervor und strich damit das Haar auf Ivys Kopf glatt, das Julias Ansicht nach gar nicht strubblig war.
„Verstehe. Sie ist ja auch sehr hübsch“, erwiderte sie.
Das Gebell des Dackels begann Julia auf die Nerven zu gehen.
„Irene, bring den Peppi zur Ruhe! Sonst zahlst du.“ Heike betrat den Platz mit energischen Schritten. Die angesprochene Irene zerrte den tobenden Peppi zu sich heran.
„Ruhe jetzt, Peppi! Aus! Schluss jetzt! Peppi!“

Heike seufzte tief und verdrehte die Augen. Dann wandte sie sich Tabea zu.
...




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Dienstag, 17. Januar 2017




Wir wollen raus



Obwohl ich nichts dafür kann, weil ich mich einer Verordnung beugen muss, habe ich ein schlechtes Gewissen - jeden Tag, wenn ich zu meinen Tieren gehe. Jedesmal, wenn ich in den verwaisten Auslauf schaue.
Unser Geflügel hat ca. 1000 qm Wiese zur Verfügung mit Bäumen, Sträuchern, Sandkuhlen zum Baden für die Hühner und einen Teich für die Gänse. Die Ställe sind nur Schlaf - und Futterplatz und entsprechend klein.
Gänse sind Weide - und Wassertiere. Sie benötigen Wasser zur Gefiederpflege. Dabei schmaddern und plantschen sie herum, schlagen mit den Flügel, dass es nur so spritzt, damit das Wasser zwischen alle Federn gelangt.



Neben baden und dem Einfetten und Glätten des Gefieders gehört Grasen zu ihrer Hauptbeschäftigung. Stundenlang wandern sie langsam über die Wiese, zupfen hier und rupfen dort. Bei geschlossener Schneedecke gibt es zwar nicht so viel Gras, aber etwas finden sie immer an geschützten Stellen unter Bäumen und Sträuchern. Damit sie derzeit wenigstens ein bisschen an die Luft kommen, haben wir einen Gemüsetunnel gekauft. Der bietet 8 qm (+ 6 qm Stall). Ein Witz an Bewegungsfreiheit also. Es reicht gerade, dass jeweils eine Gans sich ordentlich recken und die ausgebreiteten Flügel schlagen kann, was in etwa den gleichen Effekt hat wie bei uns morgendliches Räkeln im Bett oder Dehnungsübungen zur Lockerung der Muskeln. Nun hocken sie den ganzen Tag herum. Statt einer Badewanne  gibt es nur einen Eimer. Grasen ist nicht möglich. Die Tiere sind nicht beschäftigt und langweilen sich. Bei der letzten Stallpflicht habe ich mehrere Ganter verloren, weil sie sich in der Enge des Stalles nicht ausweichen konnten und anfingen, sich zu bekämpfen. Letztendlich blieb uns nichts anderes übrig, als  alle - bis auf einen - schlachten zu lassen, bevor sie sich gegenseitig umbringen. Mir ist selten etwas so schwer gefallen.
Hühner scharren den ganzen Tag. Sie haben immer zu tun. Bei Langeweile fangen sie an, sich gegenseitig anzupicken, zu hacken oder miteinander zu kämpfen. Ich versuche, sie zu beschäftigen, indem ich Stroh und Futter auf dem Boden verteile und sie so ihrem Bedürfnis zu Scharren nachkommen können. Oder sie bekommen Möhren und Äpfel zum Picken. All das bleibt eine Krücke.
Das ganze hat einen Namen: H5N8 = staatlich verordnete Stallpflicht.
Viren gab es schon immer und wird es immer geben. Tiere mit einem starken Immunsystem erkranken seltener. Das ist eine Binsenweisheit. Natürlich stecken sich einzelne Tiere an und manche sterben auch. Die, die eine Infektion überstehen, sind immun und in ihrem Blut findet man Antikörper. Übrigens ist alleine der Nachweis der Antikörper schon ein Grund zur Keulung. Dabei bedeutet er nichts anderes, als dass eine Infektion durchgemacht wurde, so wie in unserem Körper z.B. Antikörper gegen Windpocken zu finden sind, wenn wir welche hatten. Deswegen stecken wir aber niemanden mehr an.
Die Tiere in Massentierhaltungen sind extrem anfällig. Die Enge, die Wärme, der Stress begünstigen die rasante Vermehrung des Virus. Das Problem ist, dass der Mensch diese Tiere zum Maßstab nimmt und sich somit am schwächsten Glied der Kette orientiert. Aber nicht etwa zum Wohle der Tiere. Die sterben ja sowieso. Ob sie gekeult oder geschlachtet werden, dürfte ihnen herzlich egal sein. Der Gradmesser ist der Profit. Und nur darum geht es. Also müssen wir Hobbyzüchter und Halter unsere Tiere den gleichen krankmachenden Bedingungen aussetzen, um eine (angebliche) weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.
Mir stellt sich die Frage, wieso ausschließlich Tiere in Massentierhaltung betroffen sind. Diese Tiere leben in hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen Ställen, in die kein vorgefiltertes und vorher entseuchtes Lüftchen dringen kann. Wie bitte soll ein Wildvogel dort Überträger sein?
Das Friedrich-Löffler-Institut - als einziges Institut mit der Erforschung der Vogelgrippe betraut - hat nach zehn Jahren Forschung keine andere als die Wildvögel-Theorie? Ziemlich mager und lächerlich. Denn es liegt auf der Hand, dass Menschen selbst  die Ausbreitung der Seuchen. fördern. Weil wir die Tiere unter diesen grauenhaften Bedingungen halten. Weil wir Fleisch und Futtermittel durch die Welt karren. Weil wir weit mehr Gülle und andere Ausscheidungen weit flächig auf unser Land kippen, als der Boden vertragen kann, und, und, und.
Doch das will niemand hören, geschweige zugeben. Müsste man ja was ändern. Wie viel einfacher ist es, den Wildvögeln die Schuld zu geben. Geflügel rein, Stalltür zu - fertig.
Kürzlich las ich die Aussage eines Landwirtes bezüglich der Aufrechterhaltung der Stallpflicht (sinngemäß) "Die Vogelzüge sind zwar längst weg. Aber sie kommen ja irgendwann wieder".
Na, toll. Und im Herbst fliegen sie erneut Richtung Süden. Am besten lässt man sein Geflügel gar nicht mehr raus. Dann kann auch niemand krank werden. Aber ich wette, auch in dem Fall würden die Tiere an irgendwas sterben. Und sei es aus Langeweile.

Ich habe schon daran gedacht, mit der Geflügelhaltung aufzuhören. So habe ich einfach keine Freude daran. Ich möchte den Tieren doch das Leben bieten, dass ihnen gebührt.
Aber wozu lebe ich dann auf dem Land? Und wenn ich aufhöre, gibt es wieder einen weniger, der diesem Irrsinn der industriellen Tierhaltung echtes Leben mit Tieren entgegensetzt. Der alte Rassen erhält und somit (Gen)Vielfalt. Wie arm und farblos wäre die Welt ohne Langschaan, Deutsches Lachshuhn, Wyandotten, Sulmtaler, Orpington, Vorwerk, Haubenhühner, Brahma, Sussex, Niederrheiner Gelbsperber, Sundheimer, Lakenfelder, Barthühner, ...
ohne Lippegänse, Leinegänse, fränkische Landgänse, Emdener, Diepholzer, ...
ohne Bronzeputen, Ronquieres-Puten und Cröllwitzer, ...

Also - Weitermachen und darauf hoffen, dass ein Gedanke sich verbreitet:
Freilandhaltung macht Tiere nicht krank, sondern erhält sie gesund.  

Samstag, 14. Januar 2017

Allen Klimaprognosen zum Trotz haben wir nun doch noch Winter. Ja, ich weiß - das eine ist Klima und das andere ist Wetter. Und wir haben jetzt eben einfach Wetter.

In den letzten zwei Tagen hat es ordentlich geschneit. Die Hunde freut's. Sie tollen herum und wälzen sich mit Wonne darin. Für unseren jungen Hund (der Blonde) ist das die erste Begegnung mit Schnee. Ein wenig verwundert war er schon, als er gestern morgen bis zum Bauch in einer Schneewehe versank.
Aber bislang habe ich noch nicht erlebt, dass ein Hund keinen Schnee mag. Und auch er rannte gleich begeistert weiter, die lange Nase in den Schnee gegraben.
Meine Befürchtung, der Kleine könnte frieren (er hat ja vergleichsweise wenig Fell, wenn man unseren "Dicken" ansieht), hat sich nicht bewahrheitet. Bei Spaziergängen ist er gut unterwegs.
Allerdings weiß er anschließend seine Kudde mit den kuscheligen Decken sehr zu schätzen, während sein Hundekumpel lieber im kühlen Flur schläft.

  






Mittwoch, 11. Januar 2017

Meine Güte, war ich lange nicht hier. Das Jahr ist unglaublich schnell vergangen. Ab jetzt werde ich wieder regelmäßig vom Landleben berichten.

Im letzten Jahr hatten wir viel Pech mit unserem Geflügel. Es fing damit an, dass aus den im Brutkasten bebrüteten Eiern nur drei von zehn Küken schlüpften. Einige Embryos waren in einem frühen Stadium abgestorben, andere komplett entwickelt und kurz vor dem Schlupf gestorben.
An den „technischen“ Parametern konnte es nicht gelegen haben. Die prüfe ich immer sorgfältig. 
Da hatte wohl die Natur ihre Hand im Spiel.
Dann setzte sich eine Glucke. Leider nicht meine beste, erfahrenste Bruthenne. Die hatte keine Lust. Vermutlich, weil sie schon wusste, dass 2016 kein gutes Kükenjahr würde. Ich gab der anderen Henne zehn Eier. Nach zwei Wochen Brutzeit verließ sie das Nest und war fertig mit dem Brüten. Hat man dafür Worte? Leider bemerkte ich ihre Unlust zu spät. Die Eier waren bereits kalt, alle Embryonen (acht Stück) tot.
Eine andere Glucke brütete dann doch noch vier Küken aus und führte sie vorbildlich.

Im Sommer - ein Schock. Am helllichten Tag fiel der Fuchs ein und tötete drei Hühner. Eins schleppte er weg, die anderen lagen im Auslauf, quasi als Vorrat. Da kommt man gutgelaunt vom Hundespaziergang und findet ein Massaker vor. Furchtbar!
Wir verstärkten den Zaun.
Eine Woche später kam der Fuchs wieder. Dieses Mal tötete er alle Perlhühner. Sie hatten so hervorragend gewächtert. Alle anderen Hühner saßen sicher im Stall. Aber sie selbst konnten sich nicht retten.
Daraufhin haben wir Elektrodraht gezogen und zum Glück war danach Ruhe. Ich habe ja Verständnis für den Fuchs. Er wird viele Junge gehabt haben und für ein Huhn muss er etwa dreißig Mäuse fangen. Doch bei dieser Maßlosigkeit hört mein Verständnis auf. Außerdem hat er unser Agreement gebrochen. Ich hatte ihm versprochen, er bekommt jedes Huhn, das wir nicht mehr essen möchten, weil zum Beispiel der Habicht dran war oder es zu alt war. Dafür lässt der Fuchs die Hühner in Ruhe. Ich habe meinen Teil der Abmachung eingehalten. Bis jetzt. 




Damit war aber noch nicht Schluss. Im Herbst kam der Habicht und tötete in drei Wochen drei der im Frühjahr geschlüpften Küken. Natürlich die Hennen. Aber ich will mich nicht beschweren. Die Hähne sind sehr schön anzusehen. Und viele Eier zu essen, soll ja auch ungesund sein.

Das einzige Highlight des Jahres  (zumindest was die Geflügelhaltung betrifft),  war der Kauf von vier Deutschen Langschaan. Diese Hühnerrasse gehört zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Sie sind sehr zutraulich, mutig, wunderschön und haben sich prächtig entwickelt. Mit ihnen werde ich in diesem Jahr weiterzüchten. 






Dieser Blog ist leider ziemlich blutrünstig geraten. Aber das Leben hier ist eben nicht nicht immer so wie in der Landlust.


Das Jahr endete passend -  mit der Stallpflicht wegen der Geflügelgrippe. Seit Mitte November hocken die armen Tiere nun im Stall. Ende offen. Doch über dieses (Aufreger)Thema berichte ich demnächst.