Land-News

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Mittwoch, 29. März 2017

Morgens früh im Wald ...



- ist es noch ruhig
- sehe ich die Sonne rot und golden oder pastellfarben hinter den Bäumen aufgehen
- verflüchtigt sich Morgennebel im Licht
- höre ich auch die leisen Vögel singen
- ist die Chance hoch, Wild beobachten zu können

Als erstes sah ich gestern morgen eine Gruppe von ca. zehn Damhirschen. Die Tiere standen auf einer kleinen Anhöhe einer Weide und grasten. Der Hirsch mit dem Schaufelgeweih hatte den Kopf erhoben und scannte die Umgebung. Wie ein Scherenschnitt sahen sie im Gegenlicht der aufgehenden Sonne aus.

Ich spazierte entspannt auf dem breiten Waldweg. Die Hunde schnüffelten herum. An einer Stelle gingen sie zwei/drei Meter vom Weg weg ins Unterholz - die Nasen in der Luft. Ein sicheres Zeichen für "Da ist was!" Da hörte ich auch schon Quiecken und Grunzen. Ich rief die Hunde sofort zu mir. Dem Kleinen waren diese Geräusche unheimlich. Er kam gleich. Der Große lief noch einen Bogen, war aber ebenfalls Sekunden später bei mir.
In der Böschung unterhalb knackten Äste, das Grunzen und Qiecken wurde lauter. Ich blieb mit den angeleinten Hunden, wo ich war. Etwa zehn Meter von uns entfernt brachen zwei stattliche Bachen aus dem Unterholz. Ihre mindestens fünfzehn Frischlinge wuselten aufgeregt um sie herum. Sie rannten über den Weg und an der gegenüberliegenden Seite wieder in den Wald.
Die Hunde schauten ihnen eher überrascht als aufgeregt hinterher.
Als die Schweine verschwunden waren, gingen wir weiter. Die Hunde behielt ich sicherheitshalber an der Leine. Was weise war.
Denn zehn Minuten später kamen wir um eine Biegung und liefen beinahe in eine weitere Rotte Wildschweine hinein, die am Wegrand in der Erde wühlten. Eine Bache mit ungefähr zehn Frischlingen. Zum Glück grunzte sie nur einmal laut und weg war sie mit ihren Jungen.
Wäre sie in den Angriffmodus übergegangen, hätte ich nur die Hunde loslassen und wegrennen können und hoffen, dass keiner zu Schaden kommt. Es war nicht das erste Mal, dass ich Wildschweinen begegnet bin. Und da es so viele gibt, wird es nicht das letzte Mal gewesen sein.

Und die Jäger sagen, sie finden keine Wildschweine zum Abschießen. Ich könnte ihnen einen guten Tipp geben.
Nicht auf dem Hochsitz hocken, sondern einfach morgens früh spazieren gehen.



Dienstag, 14. März 2017

Ein unerwartetes Happy End


Nachdem der Fuchs im letzten Jahr alle Perlhühner getötet hat (ich hatte davon berichtet), war es sehr still geworden im Auslauf. Ich vermisste ihr leises Singen und Quietschen. Außerdem fehlten die zuverlässigen "Melder" jeder erdenklichen oder auch vermeindlichen Gefahr - frei nach dem Motto: besser einmal zu viel gewarnt, als in Habichts Krallen zu enden.
Um diesen Wildhühnern lange Transportwege zu ersparen, kaufte ich bei einem Geflügelhändler aus der Umgebung sechs junge Perlhühner. Ich hatte einen separaten Stall eingerichtet, um sie einzugewöhnen.
Dass sie scheu sein würden, war mir klar. Aber auf dieses Häufchen Elend, das da aus dem Transportkorb purzelte, war ich nicht vorbereitet. Die sechs bewegten sich nur gemeinsam und nur wie zu einem Knäuel zusammengeknüllt. Ein Bild des Jammers!
Sobald ich den Stall betrat, flatterten sie auf und stürzten sich in die große Kiste, die ich ihnen als Schutzraum hingestellt hatte. Manchmal flatterten sie wie irre umher und rannten mit den Köpfen gegen die Stallwand.
Ich setzte mich mit einem Buch ganz still in eine Ecke, las und beachtete sie gar nicht, um ihnen zu zeigen, dass von mir keine Gefahr ausging. Ich streute Futter, ich sprach beruhigend. Doch die Panik verließ sie auch die nächsten vier Wochen nicht.
In diesem Zustand konnte ich sie unmöglich nach draußen lassen. Sie wären sofort weg gewesen oder zumindest nicht mehr freiwillig in den Stall zurückgekehrt. Dauerhafter Stallaufenthalt war keine Option. Die finale Lösung? Nein, so  schnell wollte ich sie nicht aufgeben und siedelte sie um in den Kükenbereich. Der ist im Hühnerstall untergebracht und hat einen extra Zugang nach draußen in einen engmaschig abgesicherten Auslauf. Die ersten Tage waren schlimm. Die Perlchen hatten Panik vor den Hühnern, so dass ich einen Teil des Gitters mit einem Tuch verhängte. Nach einer Woche konnte ich ihn wegnehmen. Nach einer weiteren Woche wollte ich es wagen und öffnete ihnen die Klappe nach draußen. Mein Herz klopfte ganz ordentlich und ich wappnete mich innerlich, dass die ersten sofort panisch über den Zaun flattern würden. Zu meiner Überraschung liefen sie sofort ganz munter nach draußen.
Von da an ging es stetig aufwärts mit ihnen. Sie wirkten geradezu fröhlich in ihrem kleinen Auslauf. Meldeten sie zunächst noch jeden auffliegenden Vogel (und wer schon mal den Warnruf von Perlhühnern gehört hat, weiß, dass es recht laut war in den ersten Tagen), wurden sie täglich sicherer und ruhiger. Weitere zwei Wochen später durften sie mit den anderen Hühnern in den großen Auslauf. Was ich mir nicht hatte vorstellen können, passierte. Sie wussten sofort, wo es rein und raus ging (im Gegensatz zu den Hühnerküken. Die brauchen mindestens eine Woche, bis sie den Haupteingang finden und nicht mehr piepsend vor dem Nebeneingang hocken). Sie blieben problemlos hinter dem Zaun. Von Panik keine Spur mehr.
Sie sind nach wie vor scheu - wie Perlchen eben so sind. Aber wenn es Futter gibt, kommen sie angelaufen. Einzelne lassen sich sogar hin und wieder anfassen, wenn ich ganz vorsichtig bin.
Nach wie vor sind sie in Gemeinschaft unterwegs. Fehlt eins, wird laut gerufen und gesucht, bis alle wieder beieinander sind. Offenbar können sie zählen.😊
Mit ihrer besonderen Art bereichern sie die Hühnertruppe. Auch wenn Schönheit Ansichtssache ist - mir gefallen sie. Neben Hühnerküken werde ich in diesem Jahr auf jeden Fall ein paar Perlchen nachziehen.










Donnerstag, 9. März 2017


Wir halten Pilgrimgänse. Das ist eine alte, vom Aussterben bedrohte Landrasse. Das Besondere an diesen Gänsen ist die Kennfarbigkeit. Das heißt, man kann an den Küken bereits das Geschlecht erkennen - die Ganter sind weiß und die Gänse grau gefärbt.
Diese Rasse hat noch einen gut ausgeprägten Bruttrieb und zieht die Gössel zuverlässig groß (was leider nicht mehr bei allen Gänserassen der Fall ist).



                               Dottla, Wilma und Merle, März 2017


Vorgestern lag das erste Gänseei im Stall.


                                              hinten Gänseei, vorne Hühnerei

Da wir keinen Ganter haben sind die Eier unbefruchtet. Brutverhalten zeigen die Gänse trotzdem. Sie scharren eine Mulde, legen Zweige und Gräser hinein und polstern alles mit Stroh und eigenen ausgezupften Daunenfedern aus dem Brustgefieder. Allerdings sammel ich die Eier ab und räume das Nest weg. Brüten ist anstrengend und da der Erfolg von Vorneherei n ausgeschlossen ist, sollen sie sich gar nicht erst setzen.
Ansich wollte ich in diesem Jahr einige Eier (man kann befruchtete Eier kaufen) von ihnen bebrüten lassen. Gössel sind die entzückendsten Küken, die man sich vorstellen kann.



                                 Dottla, Wilma und Merle, Mai 2015


Doch bei der Aussicht auf eine erneute Stallpflicht im nächsten Winter habe ich mich dagegen entschieden. Das ist mehr als schade.  Aber da muss ich vernünftig sein. Der Platz ist einfach sehr begrenzt.
Allerdings werde ich im Spätsommer einen jungen Ganter von diesem Jahr dazukaufen. Die Gruppe ist einfach vollständiger. Außerdem passt der Ganter gut auf. Und im nächsten Jahr sehen wir weiter.


Sonntag, 5. März 2017

Hin und wieder blitzt bereits der Frühling auf. Gestern war so ein wunderbarer Tag mit Sonne, Vogelgezwitscher und dem Bedürfnis nach mehr.
Die Spatzen zanken schon um die besten Nistkästen und in wenigen Wochen werden die Schwalben zurück sein. Die Bäuche der Rehe, die abends unterhalb unseres Hauses grasen, runden sich zusehends.
Die Aktivitäten von uns Menschen verlagern sich mehr und mehr nach draußen. Das erste Mal Grillen (darauf freut sich mein Mann), das erste Mal draußen frühstücken (darauf freue ich mich), das erste Mal ohne Winterjacke und Stiefel (herrlich).
Und manche freuen sich auf die neue Sportsaison.



   Das Turnier

Luisa gehörte schon immer zu den chaotischen Menschen. Aber an diesem Morgen spürte ich ihre Nervosität, als wäre es meine eigene.
Am besten machte ich mich unsichtbar. Von meinem Platz aus hörte ich wie sie hektisch durch das Haus lief. Treppauf, treppab, mit klappernden Absätzen.
„Bruno, wo sind die Unterlagen?“, rief sie.
„Da, wo du sie gestern Abend hingelegt hast.“
„Wo war denn das gleich?“ Ihr Blick huschte durch das Zimmer.
„Luisa, bitte tu dir selbst einen Gefallen. Beruhige dich!“
„Du hast gut reden. Es steht so viel auf dem Spiel.“ Sie zog Schubladen auf, schloss sie wieder und stieß ab und zu ein verzweifeltes „Das gibt es doch gar nicht“ aus.
Ich schloss die Augen. Eine Hilfe war ich ihr sowieso nicht.
„Bruno!“
Ich riss die Augen wieder auf.
„Was denn?“
„Kannst du mir nicht helfen? Wir müssen los und du weißt genau, dass wir ohne dieses blöde Anmeldeformular nicht teilnehmen können.“
„Aber das ist das letzte Mal. Ich bin es endgültig leid, deine Unordnung zu unterstützen. Hättest du die Papiere – wie ich es gesagt habe – gestern gleich ins Auto gelegt, müsstest du jetzt nicht suchen.“
Nachdenklich zog Luisa die Brauen zusammen.
„Hab ich vielleicht doch …?“ Schon war sie verschwunden.
Der Tag schien aufregend zu werden.
„Stell dir vor, sie lagen tatsächlich im Wagen. Gott sei Dank! Wo bin ich nur mit meinen Gedanken?“, schwatzte Luisa wenig später. Sie eilte die Treppe nach oben und als sie wieder herunterkam, trug sie die magische Kleidung. Blitzartig sprang ich auf.

Wir fuhren los. Voller Vorfreude schaute ich aus dem Fenster.
Die Fahrt dauerte nicht lange. Wir stiegen aus und sofort schlugen mir vertraute Geräusche und Gerüche entgegen. Mein Herz klopfte heftig. Doch zum Umschauen und Kontakte knüpfen blieb keine Zeit, denn Luisa hastete sofort los. Ich blieb dicht bei ihr, um sie im Gewühl nicht zu verlieren.
Luisa gab die Anmeldung ab und erhielt eine Nummer. Menschen klatschten, wenn über Lautsprecher eine Stimme ertönte. Gelächter und laute Rufe, Hundegebell und Musik mischten sich darunter.
„Die nächste Startnummer lautet siebenundzwanzig“, schallte es über den Platz.
„Es geht los“, sagte Luisa. „Komm!“
Am Startpunkt blieben wir stehen.
„Als nächste starten: Luisa Winter und Josy“, sagte die Stimme. Ich spitzte die Ohren, schaute Luisa erwartungsvoll an und wartete auf das ersehnte Kommando. Jeder Muskel in meinem Körper war gespannt, bereit loszuschnellen.
„Los, Josy.“ Sofort spurtete ich auf das erste Hindernis zu und nahm es im Flug. Dabei behielt ich Luisa immer im Blick.
„Laufsteg, Josy, schnell!“ Ich sauste über den schmalen Balken und achtete auf Luisas Stimme, die das nächste Ziel rief.
„Wippe.“
Rauf auf die Wippe, dann langsam bis sie kippte und wieder herunter.
„Tunnel.“
Meine Zunge hing weit aus meinem Maul, als ich am Ende des Stofftunnels wieder auftauchte.
„Reifen“.
Ein Satz und ich war durch.
„Super, Josy! Slalom.“
Geschickt bog ich meinen Körper und schaffte die Stangen in Rekordzeit. Als nächstes kam der Dreisprung. Ich flog hinüber.
„Schnell, Josy, lauf!“ Luisa klatschte in die Hände. So schnell sie konnte, rannte sie hinter mir über die Ziellinie. Vor Begeisterung bellte ich laut und sprang an ihr hoch.
„Das hast du fein gemacht. Du bist ein toller Hund. Der beste der Welt.“ Kräftig schubbelte Luisa meine Halskrause. Ich presste mich gegen ihre Beine, hechelte und bellte gleichzeitig. „Gratulation! Das war bisher die Bestzeit. Unsere Bordercollies sind einfach nicht zu schlagen“, sagte die Stimme aus dem Lautsprecher.
Luisa schrie begeistert auf und lachte.
„Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz“, sagte Bruno, der auf uns gewartet hatte. Er legte den Arm um Luisa und küsste sie. „Dir natürlich auch, Josy.“ Zärtlich strich er mir über den Kopf. Ich schnaufte und ließ mich zufrieden neben Luisa ins Gras fallen.